Wiesbadener Kurier: 30 Standorte für Windräder kommen noch infrage

Wiesbaden / Taunusstein: 30 Standorte für Windräder kommen noch infrage – Untersuchung nicht endgültig

Wiesbadener Kurier, 31.10.2012
 
Patrick Körber

Maximal 30 Standorte kommen auf dem Taunuskamm für den Bau einzelner Windräder derzeit noch infrage. Das ist das vorläufige Ergebnis der gemeinsamen Untersuchung der Städte Wiesbaden und Taunusstein sowie der Eswe Versorgungs AG. In einer gemeinsamen Pressekonferenz stellten der Taunussteiner Bürgermeister Michael Hofnagel, Wiesbadens Bürgermeister Arno Goßmann sowie Oberbürgermeister Helmut Müller und Stephan Tenge, Vorstand bei Eswe Versorgung, am Dienstag den Zwischenstand vor.
Ungewöhnlich einstimmig entwarfen Hessens Politiker auf dem Energiegipfel vor knapp einem Jahr eine grüne Zukunftsvision: Bis 2050 soll der Stromverbrauch komplett aus erneuerbaren Energien gedeckt, zwei Prozent der Gesamtfläche des Landes sollten für den Bau von Windenergieanlagen verwendet werden.

Die infrage kommenden Standorte verteilen sich auf drei Gebiete: die Hohe Wurzel, Eichelberg/Rentmauer sowie Platte/Rassel. Es könnten jedoch noch einige 14 Standorte wegfallen, wenn das Land Hessen seine geplante Änderung des Landesentwicklungsplans umsetzt. So sollen Bann- und Schutzwälder künftig nicht für den Bau von Windkraftanlagen genutzt werden können. „Das würde bedeuten, dass hessenweit ein Ausbau der Windkraft kaum noch möglich ist“, kritisierte Müller. „Ich erwarte vom Land, dass die Politik das noch mal überdenkt.“ Bliebe das Land dabei, Schutzwälder auszuschließen, dürfte auf Wiesbadener Gebiet quasi kein Windrad gebaut werden. An der Zusammenarbeit der Städte ändere sich dadurch aber nichts, so Hofnagel.

Taunusstein und Wiesbaden haben Exklusivrechte

Zudem stehen noch weitere Untersuchungen aus, die die Anzahl der Windkraftstandorte weiter reduzieren könnten. Beispielsweise prüft ein bereits beauftragtes „avifaunistisches“ Gutachten, ob bestimmte (seltene) Vogelarten durch den Bau von Windkraftanlagen beeinträchtigt werden könnten. Genauso ist noch unklar, ob sich durch Auflagen der Luftsicherheit weitere Einschränkungen ergeben. In der bisherigen Untersuchung wurden aber zum Beispiel bereits Landschafts- und Wasserschutzgebiete sowie Richtfunktrassen für den Bau von Windrädern ausgeschlossen.

Die potenziellen Standorte sind auf der Gemarkung der Städte Taunusstein und Wiesbaden sowie von Hessenforst (Land Hessen). Um keine Standortdiskussionen zu führen „ob das Windrad 15 Meter weiter rechts oder links steht“, so Michael Hofnagel, haben die beiden Städte gemeinsam mit Eswe Versorgung eine Partnerschaft vereinbart, die alle zu Nutznießern und Investoren des Projekts macht und die Lasten aufteilt. Mit Hessenforst wurde eine Vereinbarung geschlossen, dass Taunusstein und Wiesbaden drei Jahre lang das exklusive Recht haben, das Hessenforst-Gebiet auf dem Taunuskamm zu untersuchen.

Bürgerbegehren nicht ausgeschlossen

Ebenso wurde laut OB Müller verabredet, die von Hessenforst verwaltete Gemarkung später zu „marktgerechten Preisen“ zu verpachten. Das heißt: Die Pacht darf nur so hoch sein, dass sich der Windpark noch rechnet. „Wir bauen kein Windrad, das sich nicht lohnt“, so Müller.

Keine Aussage trafen die Vertreter der Städte darüber, wie viele Windräder sie bauen wollen. „Die Bürger sollen von Anfang an eingebunden werden“, sagte Hofnagel, konnte aber nicht erläutern, welchen Einfluss die Bürger auf die Zahl und Standorte der Windräder haben werden. Der Taunussteiner Bürgermeister will aber einen Stimmungswandel zugunsten der Windkraft in der Bevölkerung bemerkt haben. Hofnagel machte aber auch klar, dass neue Windkraftanlagen sowohl von Taunusstein als auch von Wiesbaden aus zu sehen sein werden. Deshalb biete es sich an, den Bau von Windrädern auf bestimmte Flächen zu beschränken, sagte Wiesbadens Bürgermeister und Umweltdezernent Arno Goßmann. Goßmann schließt ein Bürgerbegehren „bei dem Umfang des Projekts“ nicht aus.

Die ersten Windräder könnten, „wenn alles glatt läuft“, Ende 2014/Anfang 2015 gebaut sein, meinte Stephan Tenge, Vorstand bei Eswe Versorgung.

Gründung einer Gesellschaft

Umweltdezernent Goßmann und Taunussteins Bürgermeister Hofnagel betonten, dass für die Erreichung der Klimaschutzziele der beiden Städte ein Ausbau der Windenergie notwendig sei. Wiesbaden will bis 2020 20 Prozent des Energiebedarfs aus erneuerbaren Energien decken.

Der Fahrplan der drei Projektpartner sieht nun vor, zunächst die gemeinsame Gesellschaft „Eswe Taunuswind GmbH“ zu gründen, ebenso sollen die Städte der Eswe Wind GmbH beitreten. Die beiden Städte sollen in beiden Gesellschaften Anteile von je 24,5 Prozent erhalten. Darüber werden die Parlamente der Städte Wiesbaden und Taunusstein am 22. November entscheiden.

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