Wiesbadener Kurier: Ausschuss hält an Windkraft-Kurs in Geisenheim fest

16.03.2012 – GEISENHEIM

Von Bernd Minges
Wiesbadener Kurier, 16.03.2012
Der Ausschuss für Kommunalentwicklung, Bauen und Umwelt bleibt weiter auf Windkraft-Kurs und hat ein 110 Hektar großes Gebiet auf der „Hohen Weid“ und 40 Hektar auf dem „Hörkopf“ als Vorrangflächen für Windenergienutzung bestätigt. Die Ausweisung der Gebiete ist nicht identisch mit der Fläche, die für Windräder gerodet würde. Wenn innerhalb dieser Gebiete acht Windräder aufgestellt würden, müssten dafür rund vier Hektar Wald gerodet werden, erläuterte Bauamtsleiter Klaus Großmann.

Magistrat holt Angebote ein

Trotz des wachsenden Drucks der Bürgerinitiative, deren Vertreter zahlreich zur Ausschuss-Sitzung gekommen waren, und der ablehnenden Beschlüsse der Ortsbeiräte Stephanshausen und Johannisberg sprach sich die Mehrheit des Gremiums dafür aus, das Verfahren weiter zu verfolgen und den Magistrat zu beauftragen, Angebote zur Errichtung und zum Betrieb von Windkraftanlagen einzuholen. Zudem sollen verschiedene Betreibermodelle vorgestellt werden, um sicherzustellen, dass sich sowohl die Stadt als auch die Bürger finanziell an der Wertschöpfung beteiligen können.

Vier von elf Ausschussmitgliedern sprachen sich gegen die Ausweisung der Vorrangflächen aus: die Stephanshäuser Stadtverordneten Peter Keßeler (CDU), Philipp Kreis (SPD) und Armin Kuschnereit (SPD-Fraktion) sowie der Johannisberger Ausschuss-Vorsitzende Heiner Gietz (CDU). Hans-Walter Klein (FDP) enthielt sich der Stimme.

Bürgermeister Frank Kilian und Bauamtsleiter Großmann informierten den Ausschuss darüber, dass die Firma Juwi ihr Angebot zurückgezogen habe, weil sie von einem geringeren Ertrag als ursprünglich erwartet ausgehe. Der Windindex, ein langjährig erfasster Durchschnittswert, in den Daten des Wetterdienstes und der Energiewirtschaft einfließen, sei nach unten korrigiert worden. Es gibt aber noch einen anderen Interessenten, der von konservativeren Berechnungen ausgeht: eine Gemeinschaft, der Joachim Wierlemann, Landesvorsitzender vom Bundesverband Windenergie, und Frank Heuser von der „Land und Forst Projektentwicklung GmbH“ angehören. Weiter informierte die Verwaltung darüber, dass ein avifaunistisches Gutachten zur Untersuchung der Vogelwelt und Fledermäuse für rund 23 000 Euro in Auftrag gegeben worden sei. Untersucht werde ein 2 000 Hektar umfassendes Gebiet.

Keßeler kritisierte, dass die BI-Vertreter kein Rederecht in der Sitzung hatten. Dass Angebote eingeholt werden sollen, ist für ihn schon der Beweis, dass eine Entscheidung für Windräder getroffen werde. Bürgermeister Frank Kilian erläuterte noch einmal den tatsächlichen Beschluss: „Es wird keine Entscheidung getroffen, ob Windräder gebaut werden. Alles dient nur dazu, eine spätere Entscheidungsgrundlage vorzubereiten.“ Das Verfahren sei „ergebnisoffen“, sagte Ulrich Berghof (SPD).

Erst das Klimaschutzkonzept des Zweckverbands Rheingau abzuwarten, wie Philipp Kreis forderte, bringe die Stadt keinen Schritt weiter, sagte Joachim Seubert (Grüne). In diesem Gutachten werde viel über erneuerbare Energien und Energieeinsparung stehen, aber es werde mit Sicherheit keine Standorte für Windräder nennen. „Die Entscheidung müssen wir selbst treffen“, so Seubert. „Egal wie man es dreht und wendet, Windräder brauchen wir zur Stromerzeugung.“ Und im Rheingau sei dies nun einmal nur im Wald möglich.

Für Hans-Walter Klein (FDP) ist der Hörkopf eine „absolute No-Go-Area“, zumal Oestrich-Winkel in der Nähe eine Fläche als naturschutzrechtliche Ausgleichsmaßnahme nutze. Er schlägt vor, auch andere Gebiete in die Prüfung mit einzubeziehen.

Prüfen der Wirtschaftlichkeit

Theo Barth (Grüne) vermisste Informationen der Stadt über das tatsächlich nutzbare Windpotenzial. Eine Windgeschwindigkeit von 6,5 Metern pro Sekunde werde allenfalls auf zehn Prozent des Ausweisungsgebiets erreicht, zudem sei die Windgeschwindigkeit über Wald geringer. Es sei also mit niedrigeren Erträgen zu rechnen. Die Wirtschaftlichkeit, so Großmann, werde noch einmal konkret geprüft, wenn tatsächlich Windräder gebaut werden sollen. Dann verlangen Finanzierungsinstitute zwei Windgutachten.

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