Windkraft

Windkraftnutzung in Wiesbaden

Neu: Broschüre zur Windkraft auf dem Taunuskamm

 

Warum Windkraft in Wiesbaden?

Die Notwendigkeit des Klimaschutzes ist heute in der breiten Öffentlichkeit unbestritten. Um die schlimmsten Folgen des Klimawandels noch abzuwenden, müssen die Treibhausgas­emissionen bis 2050 um mehr als 80% reduziert werden. Die Landeshauptstadt Wiesbaden hat sich das Ziel gesetzt, die Emissionen bis zum Jahr 2020 um 20% zu mindern. In den letzten Jahren wurden jedoch keine wesentlichen Fortschritte in diese Richtung erreicht: die jährlichen Treibhausgasemissionen blieben im wesentlichen gleich, der Stromverbrauch in der Stadt hat sich sogar leicht erhöht. Es besteht also ein sofortiger Handlungsbedarf.

Neben dem wichtigsten Instrument zum Klimaschutz, dem Energiesparen, stellt die Nutzung der Windenergie eine aussichtsreiche und kurzfristig umsetzbare Möglichkeit dar. Die schwarz-rote Koalition hat versprochen, diese Möglichkeiten zu nutzen. Zugleich befürchtet sie, dass der Bau von Windkraftanlagen von einem Teil der Bürgerschaft grundsätzlich abgelehnt wird. Diese Sorge darf nicht dazu führen, dass Entscheidungen auf die lange Bank geschoben werden oder die Angst vor der eigenen Courage ihr Handeln bestimmt. Während man sich Befürwortern des St.-Florians-Prinzips, die Windkraftanlagen nur gutheißen, wenn sie weitab unserer Region Platz greifen, nicht beugen sollte, gibt es auch. ernst zu nehmende Einwände. So könnte es an einzelnen Standorten, die eine gute Windausbeute versprechen, zu negativen Auswirkungen auf Menschen, Flora und Fauna kommen. An anderen Standorten spielen diese Risiken keine Rolle oder fallen kaum ins Gewicht.

Wir sind deshalb der Meinung, dass man die Vor- und Nachteile denkbarer Standorte für Windkraftanlagen in Wiesbaden und Umgebung Fall für Fall in aller Ernsthaftigkeit abwägen muss und sich nicht im Allgemeinen verlieren darf.

Welche potentiellen Standorte gibt es in Wiesbaden?

In Wiesbaden eignen sich die Höhenzüge des Taunus gut für die Windkraftnutzung. Bei diesen Standorten handelt es sich vorwiegend um Waldgebiete und hier müssen natürlich die Anforderungen des Naturschutzes berücksichtigt werden.

Die Stadt Wiesbaden hat in einer ersten Untersuchung drei potentiell geeignete Flächen benannt: Der Hammereisen in Frauenstein, die Hohe Wurzel sowie der Dachskopf in Breckenheim. Doch neben diesen Flächen gibt es weitere geeignete Standorte mit guten Windverhältnissen, die jedoch nicht weiter untersucht wurden, weil sie in einem Flora-Fauna-Habitat (FFH)-Schutzgebiet liegen. Ein prinzipieller Ausschluss der Windkraft­nutzung in FFH-Gebieten ist aber nicht zwingend. Es muss in jedem Einzelfall der Schutzzweck betrachtet und der mögliche Eingriff der Windkraftnutzung abgewogen werden. Wenn durch die Windkraftnutzung keine wesentliche Einschränkung des jeweiligen Schutzzweckes gegeben ist, dann ist diese grundsätzlich möglich.

Vor-Ort Erkundung der Standorte

Die Initiative Rhein/Main VOLL ERNEUERBAR (RMVE) hat sich an den Standorten in Wiesbaden, die aufgrund ihrer errechneten Windhöfigkeit einen wirtschaftlichen Betrieb von Windkraftanlagen erwarten lassen, durch Ortsbegehungen ein eigenes Bild gemacht um Chancen und Risiken der angedachten Projekte besser bewerten zu können. Dabei konnten erste Einschätzungen zur Situation des Waldes sowie von Flora und Fauna in diesen Bereichen gewonnen werden.

Für den Standort in Breckenheim hat das Umweltamt bereits mit der detaillierten Untersuchung von Windkraftstandorten am Dachskopf begonnen. Gemäß einem ersten Planungsentwurf waren am Dachskopf sechs Windkraftanlagen vorgesehen. Allerdings liegt ein Teil der dort betrachteten Flächen in wertvollen und schützenswerten Waldbeständen. Um sich selbst ein Bild von der Situation des Waldes zu machen, haben wir unter der fachkundigen Führung des zuständigen Revierförsters Erich Mork am 30.6.2011 eine Begehung organisiert, an der über 30 Personen – darunter zahlreiche Mitglieder des Breckenheimer Ortsbeirats – teilgenommen haben.

 

Lageplan vom Dachskopf in Breckenheim

Aus Sicht von RMVE scheiden die geschützten Altholzbestände als Standort für Windkraft­anlagen aus. Ebenso sollten die Flächen mit hohem Anteil alter Buchen- und Eichen­bestände möglichst nicht in Betracht gezogen werden. Gut geeignet hingegen ist nach Auffassung von RMVE das Areal im nordöstlichen Bereich des Dachskopfes (südlich der Usinger Straße), wo junge und geringwertige Waldbestände sowie eine offene Wiese gute Voraussetzungen für eine naturverträgliche Windkraftnutzung bieten. Zudem besteht dort wegen der Nähe zur Usinger Straße eine gute Verkehrsanbindung, was eine einfache Zuwegung zu den Windkraftanlagen mit geringen Eingriffen in den Bestand ermöglicht.

Der Standort grenzt unmittelbar an Flächen der Nachbargemeinde Hofheim an. Auf dem Hofheimer Gebiet liegen weitere, vielversprechend Standorte für Windkraftanlagen. Es empfiehlt sich daher dringend, eine Kooperation mit der Nachgemeinde Hofheim anzustreben. Bei Vollausnutzung der erschließungsfähigen Flächen wären hier bis zu fünf Anlagen mit einer Gesamtleistung von rund 17 MW denkbar.

Fazit: In Breckenheim sollte auf dem Wiesbadener Gebiet nur ein Teil der ursprünglich angedachten Standorte realisiert werden. Allerdings kann durch Zusammenarbeit mit der Nachbargemeinde Hofheim ein durchaus attraktiver Windkraftstandort entwickelt werden.

 

Führung durch den Revierförster Herrn Mork

Die Hohe Wurzel

Der von den Windverhältnissen her optimale Standort für Wiesbaden ist die Hohe Wurzel. Zudem sind auf den dort geeigneten Flächen große Areale durch Windwurf massiv geschädigt und die Wiederaufforstungsmaßnahmen noch nicht weit gediehen, so dass die Windkraftnutzung hier einen hinnehmbaren Eingriff bedeutet.

Ähnlich wie in Breckenheim wollte sich Rhein/Main VOLL ERNEUERBAR vor Ort ein eigenes Bild machen. Unter der Leitung von Herrn Rippelbeck, Bereichsleiter im Forstamt Chausseehaus sowie des Revierförsters Herrn von Steen fand am 16.9.2011 eine Begehung der Hohen Wurzel statt, zu der zahlreiche Stadtverordnete der Städte Wiesbaden und Taunusstein sowie Ortsbeiräte der betroffenen Stadtteile eingeladen waren.

Bei der Führung konzentrierten sich die Forstbeamten auf forstliche Aspekte und setzten sich nicht explizit mit der Windkraftnutzung auseinander (s. Presse­artikel). Es war jedoch klar erkennbar, dass sich die Hohe Wurzel aufgrund der Höhenlage und der Vorschädigung hervorragend für die Windkraftnutzung eignet. Allein auf dem Wiesbadener Gebiet könnten rund um die Hohe Wurzel drei große, moderne Windkraft­anlagen (rund 10 MW) aufgestellt werden, ohne dass irgendwelche forstlich genutzten Flächen beeinträchtigt werden. Auch die Zuwegung für die Kranfahrzeuge ist bereits vorhanden und muss kaum ausgebaut werden. Bei Einbeziehung angrenzender Flächen der Nachbargemeinden wären weitere Standorte möglich. Die folgenden Bilder zeigen einige Flächen auf dem Kamm rechts neben dem am Parkplatz beginnenden Waldweg.

Bilder von der Hohen Wurzel

Standorte rund um die Rassel

Ein weiterer Standort ist der Bereich rund um die nördlich von Rambach gelegene Rassel. Dieser Standort liegt jedoch in einem FFH-Gebiet (Flora-Fauna-Habitat). Da aber auch dort große Flächen durch massiven Windwurf geschädigt sind, könnten hier ohne größere Auswirkungen auf den Wald 4 bis 5 Windkraftanlagen aufgestellt werden. Bei einer Zusammenarbeit mit den Nachbarkommunen Taunusstein und Niedernhausen wären insgesamt sogar 10 Anlagen mit einer Gesamtleistung von mehr als 30 MW möglich.

Um diese optimal geeigneten Flächen für die Windkraftnutzung erschließbar zu machen, ist zunächst eine FFH-Verträglichkeitsprüfung durchzuführen. Es bestehen realistische Chancen, dass in diesem Bereich die Schutzzwecke des FFH-Gebietes auch mit Windkraftanlagen erfüllt werden können.

Bilder von Flächen rund um die Rassel
Lageplan

Plan von den Standorten Hohe Wurzel (rot umrandete Fläche links) und Rassel (rot umrandete Fläche rechts)

Der von der Stadt genannte Standort am Hammereisen ist grundsätzlich ebenfalls geeignet, sollte jedoch wegen der weniger optimalen Lage nachrangig behandelt werden.

Eine erste grobe Abschätzung ergibt folgende Windkraftpotentiale:

Standort

Potential auf dem Wiesbadener Gebiet

in Kooperation mit Nachbargemeinden

Breckenheim

ca. 5 MW

ca. 17 MW

Hohe Wurzel

ca. 10 MW

ca. 17 MW

Rassel

ca. 17 MW

ca. 34 MW

Summe

ca. 32 MW

ca.68 MW

Rhein/Main VOLL ERNEUERBAR fordert die Stadt Wiesbaden auf, diese oben genannten Flächen umgehend in die laufenden Planungen für die Windkraftnutzung einzubeziehen.

Die notwendigen Schritte hierfür sind:

  • ein Beschluss des Magistrats und der Stadtverordnetenversammlung, der eine Verpflichtung enthält, die Nutzung der Windenergie im Stadtgebiet aktiv voranzutreiben. Dies beinhaltet, für die bereits identifizierten Standorte umgehend mit der konkreten Projektentwicklung zu beginnen.
  • Eine Kooperation mit den Nachbargemeinden Taunusstein, Niedernhausen und Hofheim und der Abschluss einer Vereinbarung zur gemeinsamen Vorgehensweise.
  • Für die Windkraftflächen, die im Eigentum der Stadt Wiesbaden sind, sollte umgehend eine konkrete Standortplanung oder die Vergabe der Rechte an Projektentwickler erfolgen. Dabei sind Möglichkeiten für die investive Beteiligung von Bürgern an den Windkraftanlagen zu schaffen.
  • Aufnahme von Verhandlungen mit den Eigentümern der für die Windenergienutzung geeigneten Flächen, welche nicht im Eigentum der Stadt sind, d.h. konkret mit dem Land Hessen (Hessen-Forst).