Wiesbadener Kurier: Gutachten für Windkraftstandorte in Bad Schwalbach vorgestellt

14.03.2012 – BAD SCHWALBACH
Von Alfred Christ
Wiesbadener Kurier, 14.03.2012

In welchen Bereichen könnten auf dem Gebiet der Stadt Bad Schwalbach Windkraftanlagen errichtet werden? Diese Frage ist jetzt geklärt. Im Bauausschuss wurden die Ergebnisse einer von der Stadt in Auftrag gegebenen Standortuntersuchung vorgestellt. Die städtischen Gremien sollen jetzt über Schlussfolgerungen und Entscheidungen diskutieren.Neben den Mitgliedern des Ausschusses verfolgten auch etwa 45 Bürger den Vortrag der Diplom-Geographin Christine Lüer vom beauftragten Büro igr AG aus Rockenhausen im Donnersbergkreis. Zuvor hatte Ausschussvorsitzender Alexander Born (CDU) an den Beschluss des Stadtparlaments erinnert, das gesamte Stadtgebiet auf Flächen hin zu untersuchen, wo aus technischer und rechtlicher Sicht Windanlagen möglich wären. Mit Hinweis auf die in Berlin beschlossene Energiewende und Zielvorstellungen der Landesregierung stellte Born fest, man soll sich nicht der Illusion hingeben, Bad Schwalbach könne „eine Insel der Glückseligen“ ohne Windanlagen bleiben. Born: „Es wird Aufgabe der Stadtverordneten sein, die Entwicklung in geordnete Bahnen zu lenken.“Bürgermeister Martin Hußmann (parteilos) wies darauf hin, dass beim RP in Darmstadt die Planung für die Ausweisung von Vorrangflächen für Windkraft im Regionalplan Südhessen in Arbeit sei. Spätestens 2013 werde auch Bad Schwalbach aufgefordert, dazu Stellung zu nehmen, Wünsche und Vorstellungen einzubringen. Deshalb sei diese Voruntersuchung und Meinungsbildung sinnvoll.Die Planerin erläuterte die Methodik, wie sogenannte „konfliktfreie Flächen“ ermittelt wurden. Diese durften vor allem nicht mit Wohngebieten kollidieren, zugrunde gelegt wurde ein Mindestabstand von 1000 Metern. Auch Verkehrswege, Leitungstrassen, Bachläufe und hochrangige Schutzgebiete mussten ausgeklammert werden. „Erholungswald stellt kein Ausschlusskriterium dar“, merkte die Referentin dazu an. Die verbleibenden Flächen sollten dann auch noch eine Mindestgröße von zehn Hektar aufweisen (um eine Bündelung von Windkraftanlagen zu ermöglichen), und sie mussten obendrein auch noch in einer Zone mit ausreichendem Windkraftertrag liegen.Letztendlich blieben gerade mal zehn Flächen übrig, und von denen wurden wegen zu niedriger Windwerte noch zwei verworfen. Die acht Areale sind überwiegend in Randbereichen des Stadtgebietes gelegen. Diese wurden dann unter Einbeziehung verschiedener Kriterien mit der Einstufung „gute Eignung“ oder „bedingte Eignung“ versehen.Der Leiter des Stadtbauamtes, Kunibert Brauckschulte, wies darauf hin, dass im Rahmen der Neuaufstellung des Regionalplanes auch neue Untersuchungen hinsichtlich der im Bereich der Windkraftflächen vorhandenen Tierwelt erstellt werden. Im späteren Verfahren müsse dann für jede Anlage im Rahmen des Bundesimmissionsschutzverfahrens ein gesondertes Fauna-Flora-Gutachten erstellt werden. Im Rahmen des Flächenplanverfahrens erhalten die Bürger zudem zweimal die Möglichkeit zur Beteiligung und Stellungnahme. Im Verlauf der Beratung wurde die Frage aufgeworfen, ob es nicht sinnvoll sei, die Fläche oberhalb Lindschied näher ins Auge zu fassen, da auf benachbartem Heidenroder Gebiet und auf dem Gelände der Firma Kopp bereits Windkraftanlagen vorhanden seien beziehungsweise neue entstehen. Hier könnte man eventuell an schon vorhandene Infrastruktur (Zuwegung, Stromleitungen) andocken.
GEEIGNETE UND UNGEEIGNETE FLÄCHEN
1. Gemarkung nördlich Lindschied, Grenze zu Heidenrod/Hohenstein, 62,7 Hektar (ha), Urteil: bedingt geeignet.2. Oberhalb Adolfseck, 11,2 ha, gute Eignung.3. Gemarkung Ramschied, 17,9 ha, bedingte Eignung.4. Fläche ungeeignet.5. Fläche ungeeignet.6. Langenseifen, 19,2 ha, gute Eignung.

7. Fischbach (viel Wald) 45 ha, gute Eignung.

8. Bad Schwalbach, 16,1 ha, bedingte Eignung.

9. Bad Schwalbach, 34,3 ha, schlecht geeignet.

10. Langenseifen/Fischbach, 15,9 ha, gute Eignung.

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