Wiesbadener Kurier: Auseinandersetzung um Windkraft-Standorte in Geisenheim spitzt sich zu

13.03.2012 – GEISENHEIM

Von Bernd Minges

Auseinandersetzung um Windkraft-Standorte in Geisenheim spitzt sich zu (Wiesbadener Kurier, 13.03.2012)

Die Auseinandersetzung um mögliche Windkraft-Standorte in Stephanshausen spitzt sich zu. Die Bürgerinitiative, die sich in der vergangenen Woche offiziell als Ortsgruppe Stephanshausen des Schlangenbader Vereins „Naturerbe Taunus“ gegründet hat, macht mobil und hat Protestaktionen bei den Sitzungen des Bauausschusses am kommenden Mittwoch und der Stadtverordneten am 29. März angekündigt.

Erneute Abstimmung

Der Magistrat hat unterdessen laut Auftrag des Stadtparlaments die Flächen geprüft, die auf städtischem Gebiet für die Windkraft-Nutzung infrage kommen sollen. Er schlägt ein insgesamt 44 Hektar großes Gebiet am Hörkopf nördlich von Stephanshausen sowie ein 110 Hektar großes Areal „Hohe Weid“ westlich der Landesstraße 3454 vor, wobei zwei bisher vorgesehene südliche Punkte gestrichen wurden, wie Bürgermeister Frank Kilian berichtet. Dafür soll das Gebiet etwas über die Verbindungsstraße Stephanshausen-Presberg hinaus verlagert werden. Der Magistrat hat die Standorte zur erneuten Bestätigung noch einmal an die Stadtverordneten weitergeleitet.

Die Flächen grenzen zwar an den Stadtteil Stephanshausen, liegen aber auf Johannisberger und Geisenheimer Gemarkung. Der Ortsbeirat Johannisberg hat in seiner jüngsten Sitzung Windräder am Hörkopf mit deutlicher Mehrheit abgelehnt, berichtet Ortsvorsteher Jens Bodenstein. Hauptargument sei die Beeinträchtigung der Landschaftsqualität. Dagegen hat sich der Ortsbeirat Talstadt für die Ausweisung einer Windkraft-Vorrangfläche im Bereich Hohe Weid ausgesprochen, teilt Ortsvorsteher Heinz Lupp mit.

Dass die Flächen jetzt noch einmal vom Stadtparlament bestätigt werden sollen, bezeichnet Bürgermeister Kilian als Beweis für die Transparenz des Verfahrens. Nach wie vor sei überhaupt nichts festgelegt, aber Geisenheim wolle das Heft des Handelns in der Hand behalten und später nicht unter Zeitdruck geraten. Ihm wäre es auch lieber, so Kilian, wenn statt des Abwartens in den anderen Kommunen jetzt schon ein abgestimmtes Vorgehen im Rheingau möglich wäre.

Die Bürgerinitiative wirft der Stadt vor, sie übernehme weitgehend ungeprüft die Angaben des Anlagenbetreibers Juwi. Sie stellt die Angaben zur Wirtschaftlichkeit infrage und weist darauf hin, dass Windgeschwindigkeiten von mehr als 6,5 Meter pro Sekunde nur „an ganz kleinen Punkten“ erreicht werden. Ohnehin ist „Windhöffigkeit allein kein hinreichendes Kriterium für den Standort von Windkraftanlagen“, schreibt Wolfgang Landsfeld an Justus Brans, den Leiter des Referats Erneuerbare Energien im hessischen Umweltministerium, der im Rheingau schon Vorträge zum Thema gehalten hat. Landsfeld, der erfolgreich gegen eine Ernstbachtalsperre gekämpft hat, verweist erneut auf Hinterlandswald und Rheingaugebirge als größtes unzerschnittenes hessisches Waldgebiet. Das Bundesamt für Naturschutz stuft in einem Positionspapier „Windkraft über Wald“ Hinterlandswald und Rheingaugebirge als „besonders schützenswert“ und „schützenswert“ und damit als „Ausschlussgebiete“ ein.

Forschungsbedarf

Windkraftnutzung in Waldgebieten wird zwar nicht grundsätzlich ausgeschlossen, aber das Bundesamt spricht von einem erheblichen Forschungsbedarf, was die Auswirkungen auf Naturhaushalt, Landschaftsbild und biologische Vielfalt betrifft. Wenn überhaupt, dann seien „nur intensiv forstwirtschatlich genutzte“ Fichten- und Kiefernforste geeignet, also keine Laubmischwälder und wertvolle Buchenbestände.

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